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Karl Schmidt-ROttluff

Das Rauschen der Farben

Ausstellungsdauer: 4. November 2017 bis 8. April 2018
Vernissage: 3. November 2017, 19 Uhr 


Karl Schmidt-Rottluff, Roter Giebel, 1911, Öl auf Leinwand, Brücke-Museum Berlin, Foto: Roman März, Berlin, VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Karl Schmidt-Rottluff, Roter Giebel, 1911, Öl auf Leinwand, Brücke-Museum Berlin, Foto: Roman März, Berlin, VG Bild-Kunst, Bonn 2017





Die »unerklärliche Sehnsucht, das zu fassen, was ich sehe und fühle, und dafür den reinsten Ausdruck zu finden«, spiegelt sich im gesamten Werk des Brücke-Künstlers Karl Schmidt-Rottluff wider. Mit dieser Ausstellung setzt das Kunstmuseum Ravensburg die Tradition fort, die in der Sammlung Peter und Gudrun Selinka vertretenen Brücke-Künstlerpersönlichkeiten in umfassenden Einzelausstellungen vertieft vorzustellen. Die in der Ausstellung vertretenen rund 70 hochkarätigen Landschafts- und Figurenbilder, Stillleben und Porträts sind farbgewaltige Zeugnisse seiner direkten und klaren Bildsprache. Es wird nicht nur die künstlerische, sondern auch die persönliche Entwicklung des introvertierten Einzelgängers des Brücke-Kreises vorgestellt.



Karl Schmidt-Rottluff, Am Meer (Steilküste), 1906, Öl auf Karton, Brücke-Museum Berlin, Foto: Roman März, Berlin, VG Bild-Kunst, Bonn 2017 

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Karl Schmidt-Rottluff, Am Meer (Steilküste), 1906, Öl auf Karton, Brücke-Museum Berlin, Foto: Roman März, Berlin, VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Karl Schmidt, der sich erst mit der Gründung der Künstlergruppe Brücke 1905 nach seinem Geburtsort »Schmidt-Rottluff« nannte, wurde 1884 als Sohn eines Mühlenwerkbesitzers in Rottluff bei Chemnitz geboren. Schmidt-Rottluffs erste signierte Arbeiten, Aquarelle und Ölskizzen (ab etwa 1901/02) zeigen Motive der ländlichen Umgebung seines Heimatortes. Nach seinem Abitur 1905 folgte Schmidt-Rottluff seinem Schulfreund Erich Heckel nach Dresden und begann dort ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule. Mit den ebenfalls künstlerisch tätigen Kommilitonen Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl gründeten die Vier im Frühsommer 1905 die Künstlergruppe Brücke. Mit den anderen Brücke-Künstlern teilte er die Intention »unmittelbar und unverfälscht« das wiederzugeben, was er sah und fühlte und mit ihrer neuen, emotionsgeladenen Bildsprache begründeten sie den deutschen Expressionismus. Elektrisiert von der Begegnung mit Werken Vincent van Goghs, die in ihrer ungestümen Malweise die Gefühlszustände des Malers manifestieren, fand Schmidt-Rottluff so früh zu einem eigenen impulsiven Stil, der sich sowohl durch die Farbigkeit als auch durch eine Konzentration der Form auszeichnete.


Jährliche Aufenthalte an der Ostsee, das Leben im Einklang mit der Natur, spielten zeitlebens eine wichtige Rolle im Schaffen Schmidt-Rottluffs. Fernab vom Kunstbetrieb und der Großstadt – seit 1911 lebte der Künstler in Berlin – fand er die nötige Ruhe und Konzentration für die künstlerische Arbeit. Der Mensch und sein Verhältnis zur Natur werden zu Leitmotiven seines Schaffens in den 1910er Jahren, die er variantenreich vorführt. Als neues, zeittypisches Thema Anfang der 1920er Jahre fand das Bild der arbeitenden Landbevölkerung Eingang in sein Werk. Schmidt-Rottluffs Interesse galt hier dem Vorgang der Arbeit als existentielle Lebensgrundlage.


Die 1930er Jahre waren für Schmidt-Rottluff überschattet von der Einflussnahme nationalso-zialistischer Kulturpolitik, die die künstlerische Arbeit erschwerte und bald so gut wie un-möglich machte. Schmidt-Rottluffs Werke wurden beschlagnahmt und teilweise 1937 ver-nichtet und schließlich erteilte man ihm 1941 das Berufsverbot. Trotz des Erlebnisses des Zweiten Weltkrieges bewahrte sich Schmidt-Rottluff bis ins hohe Alter seine Schaffenskraft und fand in den 1950er und 1960er Jahren zu seinen bewährten Bildfindungen mit leuchtend monumentalen Kompositionen zurück.

Karl Schmidt-Rottluff, Im Atelier, 1950, Öl auf Leinwand, Brücke-Museum Berlin, Foto: Roman März, Berlin
VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Karl Schmidt-Rottluff, Im Atelier, 1950, Öl auf Leinwand, Brücke-Museum Berlin, Foto: Roman März, Berlin
VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Die in der Sammlung Selinka vertretenen CoBrA- und Spur-Künstler knüpften in der Nachkriegszeit stilistisch an die im Nationalsozialismus tabuisierten Expressionisten wie Schmidt-Rottluff an. Die Gegenüberstellung von Skulpturen aus der Sammlung und dem Spätwerk des Künstlers verdeutlichen, dass diese in ihrer expressiven Ästhetik, in Bezug auf die vereinfachte und stilisierte Formfindung sowie in ihrer Farbgebung, durchaus mit den späten Werken Schmidt-Rottluffs verwandt sind.

Die in Kooperation mit dem Brücke-Museum Berlin und weiteren Leihgebern wie beispielsweise den Kunstsammlungen Chemnitz und der Österreichischen Galerie Belvedere realisierte Ausstellung gibt so einen Überblick über sämtliche Schaffensperioden des Künstlers. Die Schau verdeutlicht, wie Schmidt-Rottluff sein unverwechselbares künstlerisches Vokabular erarbeitete und dabei immer derselbe blieb: der »Magier der Farbe«.


 
 
 
 

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